Der Deutsche Bundestag tritt am Montag, 1. September, zu einer Sondersitzung zusammen, um mal so über Waffenlieferungen in den Irak zu diskutieren. Denn entscheiden wird am Mittwoch zuvor alleine die Bundesregierung. Wie symbolträchtig.

Aber wer mit einer Wutrede meinerseits rechnete, den muss ich leider enttäuschen. Denn ich will vor allem die historischen Fortschritte heute lobend hervorheben.

Schon einmal trat ein deutsches Parlament an einem 1. September zu einer Sondersitzung zusammen. Aber das wars auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Denn damals, anno 1939, durften die Parlamentarier nur applaudieren. Heute werden sie sogar reden dürfen. Auch gegen den Kurs der Regierungschefin. Gut, es wird sich dadurch nichts ändern, da die Entscheidung wie gesagt schon gefällt sein wird. Aber gut, dass man darüber gesprochen hat.

Und ein weiterer, wichtiger Unterschied ist hervorzuheben: Während damals noch die Deutsche Wehrmacht selbst Polen überfallen musste, überlässt man es diesmal den Kurden, sich gegen eine Terrorgruppe zu wehren, die sich mit amerikanischen Waffen aus irakischen Armeebeständen ausgerüstet hat. Sie bekommen nur Waffen aus Bundeswehrdepots, die nicht gebraucht werden.

Kurz: Wir leben in Zeiten des blühenden Humanismus. Der zivilisatorische Fortschritt ist riesig. Und wenn eines Tages dann doch noch deutsche Soldaten die eigenen Waffen im Irak bedienen müssen sollten, dann wird es kein Kriegseinsatz sein, sondern nur ein militärisches Engagement  entsprechend der gewachsenen Verantwortung Deutschlands in der Welt.

So gesehen braucht es auch keinen Antikriegstag mehr. Das ist wohl der Lauf der Geschichte. Denn selbst Dialektiker wissen: Jede Synthese wird eines Tages zur These, der sich eine Antithese entgegenstellt. Deshalb hat ja auch der von mir ansonsten so geschätzte Gregor Gysi keine Probleme mit Waffenlieferungen in den Irak. Aber das ist wohl eine andere Geschichte. Oder?